Wie es im Jahr 1960 in der Doppelgarage in Seebach genau zu- und hergeht, darüber kann man heute nur mutmassen. Sicher ist, dass in erster Linie Alltagsgegenstände gefragt sind: Geschirr, Möbel – und vor allem warme Kleider, um die harten Winter zu überstehen. Auch in den nachfolgenden Jahren kommt dem Brockenhaus eine pragmatische Rolle zu. Im Zentrum steht die Güterversorgung von Menschen mit wenig Geld: günstig, zweckmässig, unkompliziert.
Was sich mehrfach ändert, ist der Standort. Von der Doppelgarage geht es nach Seebach und Schwamendingen, später in eine Halle in Wallisellen, 1972 wird eine Lagerhalle in Dübendorf bezogen. Der letzte Umzug findet 1979 statt, als EMMAUS den Neubau an der Ringwiesenstrasse 17 in Dübendorf bezieht. Ab da verhält es sich genau umgekehrt: Der Standort bleibt, dafür wandelt sich die Rolle des Brockenhauses.
Einen Einblick in die damalige Zeit gibt ein Schreiben aus dem Jahr 1989. Gemäss diesem werden die Kleider an Flohmärkten verkauft, wovon insbesondere «bedürftige Familien aus Berggebieten» profitieren. Die Möbel wiederum seien geeignet für die Einrichtung von «Ferienhäusern, Altersheimen, Kellern und Estrichen» sowie für die erste Wohnung junger Ehepaare.
Trotz fehlender Glaskugel optimistisch
In den folgenden Jahren können vermehrt neue Kundengruppen erschlossen werden. Dies liegt einerseits an der steigenden Qualität der angebotenen Waren, das Schmuddel-Image geht mehr und mehr verloren. Andererseits am gesellschaftlichen Wandel: Auch Menschen, die sich Neuanschaffungen durchaus leisten können, kaufen immer öfter Gebrauchtwaren mit Charakter ein.
Wie es in 10, 30 oder 70 Jahren aussieht? Darüber kann man heute ebenfalls nur mutmassen, eine Glaskugel sucht man sogar in unserem Brocki vergebens. Doch angesichts der weiterhin wachsenden Bedeutung der Nachhaltigkeit scheint ein baldiges Ende des Konzepts Secondhand nicht absehbar. Es wird auch in Zukunft ökologischer sein, etwas bereits Existierendes zu nutzen, als etwas Neues zu kaufen.
Ein weiterer Aspekt, der unserer Branche in die Hände spielt, ist der in vielen Bereichen sinkende Produktionsstandard – etwa in der Kleiderindustrie. Fast Fashion liefert gute Gründe, um sich stattdessen für Einzelstücke zu entscheiden, die zwar ein paar Jahre auf dem Buckel haben, dafür mit Qualität, Charakter und Einzigartigkeit überzeugen.
So wie alle anderen der grob geschätzten 50’000 Gegenstände im EMMAUS Brockenhaus.
In diesem Sinne: Auf die nächsten 70 Jahre!